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Call for Papers

Ausgabe 48 (Juni 2025) von bwp@:

Berufliche/betriebliche Weiterbildung

Seit den 1970er Jahren gehören der Ausbau der Weiterbildung zur vierten Säule des Bildungssystems, die Verbesserung der Koordination, Transparenz und Qualität auf dem Weiterbildungsmarkt, die Verein­heitlichung der gesetzlichen Regelung, die zunehmende staatliche Verantwortung sowie die Professio­na­lisierung des Personals in der Weiterbildung zu den immer wiederkehrenden Forderungen der Weiter­bildungspolitik und -forschung. Dies gilt vor allem für die berufliche Weiterbildung und ihrem nach wie vor stärksten Segment der betrieblichen Weiterbildung. Anders als in der noch überwiegend korpora­tistisch und staatlich geregelten beruflichen Erstausbildung und Hochschulbildung ist die Weiterbildung bis heute weitgehend unsystematisch, marktförmig organisiert und damit konjunkturabhängig. Sie unter­liegt zudem nach wie vor verschiedenen Gesetzen auf staatlicher und Landesebene und ist dadurch zielgruppenspezifisch und selektiv ausgerichtet. Immer noch gehören zu den zentralen Grundpro­ble­men der Weiterbildung die Intransparenz und die ungleichen Zugangsmöglichkeiten von potenziellen Teilnehmenden in der komplexen Weiterbildungslandschaft, die hinsichtlich Qualität und Professiona­lität heterogene Anbieter- und Angebotsstruktur, die unterschiedliche Wertigkeit der Abschlüsse sowie die ungleichen individuellen Perspektiven auf Anschlüsse von in Weiterbildung erworbenen Kompeten­zen und Zertifikaten im Bildungs- und Beschäftigungssystem (vgl. Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung, 2024, S. 233–238; BMBF, 2024; BIBB, 2024, 296–301).

Vor diesem Hintergrund scheinen die jüngeren weiterbildungspolitischen Entwicklungen und die damit ver­­bundene Übernahme von Verantwortung für Weiterbildung seitens der Bundesrepublik vielversprechend zu sein. Im Jahr 2022 rief das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die „Weiterbil­dungs­republik“ aus. Mit ihr soll eine Antwort auf den Wandel der Arbeit, auf den „Megatrend Digitalisie­rung“, die „ökologische Transformation“, die „Entstehung neuer Wirtschaftsbereiche“ sowie auf die „Her­aus­forderungen durch die Corona-Pandemie“ gegeben werden. Weiterbildung, so die Prämisse, sei „ein zentraler Pfeiler, um für die Arbeitswelt von morgen qualifiziert zu sein, Beschäftigung zu sichern und Fachkräfte für eine starke deutsche Wirtschaft zu gewinnen“ (BMAS, 2022, online). Wei­terbildung wird damit zu einem umfassenden sozio-ökonomischen Problemlösungsinstrument erklärt. Damit sie dieser Bedeutung gerecht wird, basiert die „Weiterbildungsrepublik“ auf dem „strategi­schen Fundament“ der „Nationalen Weiterbildungsstrategie“ (NWS), die im Jahr 2019 in einer konzer­tier­ten Aktion des BMAS, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des Bundes­ministe­ri­ums für Wirtschaft und Energie (BMWi), der Bundesagentur für Arbeit (BA), Ministerkonfe­ren­zen (u.a. der Kultusminister­konferenz und der Wissenschaftsministerkonferenz) sowie den Sozialpart­nern ins Leben gerufen wurde. Neben dieser Strategie und deren strukturellen und finanziellen Fördervorhaben sind inzwi­schen rechtliche Reformen in Kraft getreten, zu denen das „Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung“, das „Beschäftigungssicherungsgesetz“ und das „Arbeit-von-morgen-Gesetz“ gehö­ren. Zudem strebt das BMBF im Rahmen seiner „Exzellenzinitiative Berufliche Bildung“ und mit dem Programm „InnoVET Plus“ auch die Modernisierung und Innovation in der beruflichen Weiterbildung an, indem innovative bzw. durchlässige Weiterbildungswege entwickelt, Weiterbildungsbeteiligung erhöht und die Professionalität des Weiterbildungspersonal vorangetrieben werden sollen. Vor allem Bemü­hungen um Entgrenzung von beruflicher Ausbildung, Weiterbildung in Form von Fortbildung und Stu­dium stehen seit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) im Jahr 2020 und der Einfüh­rung von Fortbildungsstufen für die höherqualifizierende Berufsbildung zum „Bachelor Professional“ oder „Master Professional“ stellen die Weiterbildung vor weitere institutionelle und professionelle Her­aus­forderungen. 

Mit der Ausgabe bwp@ 48 möchten wir einen Einblick geben in Ansprüche, Realitäten und Herausforde­rungen gegenwärtiger und künftiger beruflicher und betrieblicher Weiterbildungsforschung und -politik. Uns interessieren theoretische Analysen, empirische Befunde, kontroverse Positionen, kritische Refle­x­io­nen zu und praktisch-exemplarische Einblicke in unterschiedliche Dimensionen und Aspekte gegenwärtiger und künftiger beruflicher und betrieblicher Weiterbildung.

Wir freuen uns auf Beiträge, die die Spannweite zwischen politischer, struktureller, institutioneller (Akteure) und individueller (Teilnehmender) Perspektive auf Möglichkeiten und Grenzen aktueller und künftiger Entwicklungen in der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung einnehmen. Dabei sind optio­nal folgende Fragen zu berücksichtigen:

  • Mit welchen politischen und strukturellen Herausforderungen in der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung sehen sich deren Anbietende und Akteur:innen aktuell und künftig in besonderer Weise konfrontiert, und wie gehen sie damit um?
  • Inwiefern und mit welchen Interessen verändern sich in der „Weiterbildungsrepublik“, durch neue Weiterbildungsstrategien und -innovationen Anbieter- und Akteurskonstellationen und -kooperationen sowie -governance auf dem Weiterbildungsmarkt?
  • Inwiefern drücken sich rechtliche Reformen und Förderinitiativen auf individuelles Weiterbildungsinteresse, auf Weiterbildungsteilnahme und auf die Verteilung von individuellen Chancen in der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung aus?
  • Welche institutionellen und individuellen Herausforderungen, Vor-, aber auch Nachteile sind mit der rechtlichen Entgrenzung von bzw. der Durchlässigkeit zwischen Ausbildung, Weiterbildung und Studium verbunden sein? Welche good-practice Konzepte durchlässiger/ gestuf­ter Weiterbildung sind aus der Perspektive von Teilnehmenden, ihren Abschlüssen und An­schlü­ssen im Bildungs- und Beschäftigungssystem überzeugend?
  • In welchem Verhältnis stehen die aktuellen und künftigen Herausforderungen beruflicher und betrieblicher Weiterbildung zur Professionalität des Weiterbildungspersonals? Welche Ansätze, Konzepte und Kriterien der Professionalisierung sind mit Blick auf Standards pädagogischer Professionalität in der Weiterbildung perspektivisch weiter zu verfolgen?
  • Welche curricularen und didaktischen Gestaltungsansätze und -konzepte liegen den neuen ent­grenzten und durchlässigen (Weiter-)Bildungswegen zugrunden bzw. sollten diese zugrunde liegen?

Interessent:innen an Ausgabe 48 von bwp@ bitten wir, uns spätestens bis zum

8. November 2024

ein ca. einseitiges Exposé (Vorlage: https://www.bwpat.de/vorschau/expose_vorlage_bwpat48.docx) ausschließlich an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.  zu senden.

Die Exposés werden anhand folgender Kriterien bewertet:  

  • Relevanz des Themas / Bezug zum Call for Papers
  • Fragestellung / Erkenntnisinteresse resp. Intention des Beitrags
  • Methodisches Vorgehen (Exploration, Datenauswertung, Literaturstudie, Theorieanalyse, Erfahrungsbericht etc.)
  • Aufbau und geplante Gliederung des Textes
  • Zuordnung zu einem der vier möglichen bwp@ Beitrags-Formate (Forschungsbeitrag, Diskus­sions­beitrag, Berichte & Reflexionen oder Aus der Praxis, siehe dazu:
    http://www.bwpat.de/bwp-formate).

Bitte verwenden Sie dafür die auf der bwp@-Homepage unter Vorschau zu findende Formatvorlage (www.bwpat.de/bwpat-vorschau/cfp), der wir nicht nur den Titel und die inhaltliche Ausrichtung des geplanten Beitrags entnehmen können, sondern auch Informationen zur Autorin/zum Autor bzw. zu den Autor:innen und die Zuordnung zu einem der möglichen bwp@ Beitrags-Formate.

Wir informieren Sie bis spätestens 29. November 2024, ob wir Ihren Beitrag aufnehmen können und wie das weitere Procedere ablaufen wird. Die Beiträge selbst erbitten wir bis spätestens 17. März 2025 (ausschließlich unter Verwendung der dafür vorgesehenen Formatvorlage).

Online gehen wird Ausgabe 48 im Juni 2025.

Karin Büchter, H.-Hugo Kremer & Ina Krause
(Inhaltlich verantwortliche Herausgeber:innen von bwp@ Nr. 48)

Literatur

Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024). Bildung in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu beruflicher Bildung. wbv.

BIBB [Bundesinstitut für Berufsbildung] (2024). Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2024. Informatio­nen und Analysen zur beruflichen Bildung. Barbara Budrich.

BMAS [Bundesministerium für Arbeit und Soziales] (2022). Willkommen in der Weiterbildungsrepublik. https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Aus-und-Weiterbildung/Berufliche-Weiterbildung/Willkommen-in-der-Weiterbildungsrepublik/weiterbildungsrepublik-art.html

BMBF [Bundesministerium für Bildung und Forschung] (Hrsg.) (2024). Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2022. Ergebnisse des Adult Education Survey - AES-Trendbericht.

https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/de/bmbf/1/26667_AES-Trendbericht_2022.pdf?__blob=publicationFile&v=4

 

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